Welches Motorrad passt zu meiner Zukunft?
Erst das Ziel – dann das Bike
Dieser Artikel ist markenunabhängig und bezieht sich auf das Segment der Reiseenduros. Es geht nicht darum, ein bestimmtes Motorrad zu empfehlen, sondern darum, herauszufinden, welches Konzept zu den eigenen persönlichen Zielen passt.
„Manu, welches Motorrad würdest du mir für meine Zukunft empfehlen?“
Diese Frage bekomme ich immer häufiger gestellt. Besonders von Motorradfahrern, die seit vielen Jahren unterwegs sind, und sich irgendwann fragen:
Was möchte ich mit meinem Motorrad in den nächsten Jahren eigentlich erleben?
Für mich ist genau das die entscheidende Frage.
Denn ich glaube, dass wir alle etwas suchen:
Erleben. Entdecken. Geniessen.
Das Motorrad ist dabei nicht das Ziel. Es ist das Werkzeug, mit dem wir unsere persönlichen Ziele erreichen.
Nicht das Bike bestimmt das Abenteuer.
Wenn mich jemand nach dem richtigen Motorrad fragt, würde ich deshalb nicht zuerst nach Hubraum, Leistung oder Marke fragen.
Ich würde fragen:
Was möchtest du damit machen?
Willst du lange Reisen unternehmen, viel Asphalt fahren, Gepäck mitnehmen und vielleicht auch zu zweit unterwegs sein?
Oder reizt dich zunehmend der kleine Schotterweg, die abgelegene Passstrasse oder eine mehrtägige Reise, bei der auch schwierigere Offroad-Passagen dazugehören?
Diese Ziele verlangen unterschiedliche Eigenschaften.
Wie finde ich heraus, was zu mir passt?
Bevor man sich mit einzelnen Motorrädern beschäftigt, lohnt es sich, die eigenen Bedürfnisse ehrlich aufzuschreiben.
1. Was möchte ich erleben?
Das ist für mich die wichtigste Frage.
Möchte ich reisen, entdecken, Offroad fahren, lange Touren machen oder einfach möglichst vielseitig unterwegs sein?
2. Wo werde ich hauptsächlich fahren?
Wie viel Asphalt wird es tatsächlich sein?
Vielleicht sind es 80 Prozent Strasse und 20 Prozent Schotter. Oder genau umgekehrt.
Der geplante Einsatzbereich sagt häufig mehr über das passende Motorrad aus als die Zahl auf dem Hubraumschild.
3. Wie wichtig sind Komfort und Reichweite?
Lange Tagesetappen, Autobahn, Gepäck oder Fahrten zu zweit stellen andere Anforderungen als kurze Tagestouren über kleine Nebenstrassen.
4. Welche Wege möchte ich künftig fahren?
Hier wird es spannend.
Möchte ich lediglich einen Schotterweg sicher befahren können? Oder möchte ich bewusst immer weiter weg von befestigten Strassen?
Je enger, technischer und anspruchsvoller die Wege werden, desto wichtiger werden Handlichkeit und Gewicht.
5. Wie viel Motorrad möchte ich bewegen?
Diese Frage wird oft unterschätzt.
Ein schweres Motorrad kann auf der Strasse unglaublich souverän sein. Im Stand, auf losem Untergrund oder in einer engen Passage spielt das Gewicht aber plötzlich eine ganz andere Rolle.
Deshalb sollte man sich nicht nur fragen:
„Was kann ich fahren?“
Sondern auch:
„Was möchte ich in Zukunft noch entspannt fahren können?“
Mehr Hubraum ist nicht automatisch besser
Ganz vereinfacht kann man das Reiseenduro-Segment in verschiedene Bereiche einteilen.
Über 1’000 ccm bieten häufig viel Komfort, Leistung und Souveränität auf langen Strecken. Wer überwiegend Asphalt fährt und gelegentlich einen Schotterweg einbaut, findet hier oft genau das, was er sucht.
Zwischen etwa 700 und 1’000 ccm entsteht häufig ein sehr vielseitiger Bereich. Das Motorrad bleibt langstreckentauglich, wird aber handlicher und eröffnet mehr Möglichkeiten abseits befestigter Strassen.
Darunter gewinnt das Thema Gewicht zunehmend an Bedeutung. Engere Wege, lose Untergründe und technischere Passagen können dadurch leichter zugänglich werden.
Aber:
Leichter ist nicht automatisch besser.
Und ein grosses Motorrad ist nicht automatisch die falsche Wahl für Offroad.
Entscheidend ist immer die Kombination aus:
Motorrad, Fahrer und Ziel.
Vielleicht verändert sich einfach dein Ziel
Gerade nach vielen Jahren Motorradfahren verändert sich manchmal der eigene Blick auf das Hobby.
Früher waren vielleicht 500 Kilometer an einem Tag das Ziel.
Heute ist vielleicht die kleine Nebenstrasse interessanter als die schnellste Verbindung.
Der unbekannte Schotterweg spannender als der bekannte Pass.
Und manchmal geht es gar nicht mehr darum, möglichst viele Kilometer zu sammeln.
Sondern darum, wo diese Kilometer stattfinden.
Das ist keine Frage des Alters.
Es ist die Frage:
Was möchte ich noch erleben?
Am Ende zählt das Erlebnis
Ich glaube, wir beschäftigen uns beim Motorradkauf oft zu sehr mit der Frage:
„Welches Motorrad ist das beste?“
Die bessere Frage lautet:
„Was möchte ich mit meinem Motorrad erleben?“
Denn es gibt nicht das beste Reiseenduro-Motorrad.
Es gibt nur das Motorrad, das am besten zu deinem persönlichen Ziel passt.
Und genau dort würde ich anfangen.
Erleben. Entdecken. Geniessen.
Nicht das Bike gibt das Ziel vor.
Das Ziel bestimmt das Bike.
Explore more. Learn Offroad.
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Manuel, mit diesem Artikel triffst du den sprichwörtlichen Nagel auf den Kopf. Ich werde - vermutlich wegen meiner Erfahrung - auch hie und da nach dem „richtigen“ Motorrad gefragt. Reflexartig stelle ich genau diese Gegenfrage: „Ja was möchtest du denn damit machen und erleben?“ Das ist das Entscheidende für die Wahl eines Motorrades! Danke du hast das sehr gut geschrieben!
Danke Manuel für die Einladung. Bin gespannt!